Rungholt: Der Strand

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Rungholt: Der Strand

Beitrag  Anjun Baccaracus am Mo Feb 08, 2010 10:43 pm

Zu einem großen Teil ist Rungholt zum Wasser hin befestigt, um den Wellen wenig Angriff zu bieten. Auf der strömungsabgewandten Seite der Insel gibt es jedoch einen feinen Sandstrand auf welchem bei Flut die Wellen auflaufen. Bei Ebbe reicht das Watt bis nach Südernickelrupp. Der Strand wird von dem Bootshaus und dem Leuchturm begrenzt. Holzbohlen führen durch die Dünen in Richtung Hauptgebäude.

(Achtung: Wenn Ihr ins Meer schwimmen geht, dort mit dem Ruderboot dümpelt oder durchs Watt lauft, benutzt bitte den "Meer um Rungholt"-Thread.)
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Re: Rungholt: Der Strand

Beitrag  Anjun Baccaracus am Mo Feb 08, 2010 11:37 pm

PP: Hauptgebäude: Speisesaal

Gischt brandete um die nackten Füße des Jungen. Während er durch das flache Wasser watete, formten seine Lippen leise Lockrufe. Es waren Worte in einer alten Sprache. Was er seinem Raben zurief, mußten die anderen nicht unbedingt verstehen.

Der kluge Rabe schien ihn schon von weither gehört zu haben. Vom Wald her kam ein mehrstimmiges Krächtzen, als sich Hugin gleichsam von seinen Artgenossen in Wald verabschiedete, die schwarzen Schwingen ausbreitete und zu seinem jungen Herren flog.

Anjun streckte den Arm aus und ließ Hugin landen. „Guter Hugin.“, murmelte er und streichelte ihm zärtlich über das schimmernde Gefieder. „Möchtest Du einen Eulenkeks, ja?“ Mit einer possierlichen Verbeugung neigte der Vogel den Kopf. „Also ja.“, lachte Anjun. „Hier, lieber Hugin.“
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Re: Rungholt: Der Strand

Beitrag  Dominic Hohensayn am Di Feb 09, 2010 12:27 am

pp: Hauptgebäude: Speisesaal

Dominic trat ins Freie und atmete einen Moment durch. Das Gespräch mit Högni war ihm entschieden zu persönlich geworden, denn wenn es um seine Motivationen, Absichten, Gefühle, um sein Innenleben ging, war er es gewohnt, zu blocken, zumindest wenn es so öffentlich geschah wie im Speisesaal, wenn noch andere Schüler daneben saßen. Diese Sarfina war sowieso ein komischer Vogel. Wieso hatte die sich eigentlich dazugesetzt? Wahrscheinlich wollte sie was von Högni, dachte er dann achselzuckend und schritt den Strand entlang.
Nach einer Biegung entdeckte er in einiger Entfernung jemanden durchs Wasser waten. Dominic seufzte, er war also doch nicht allein. Er zog eine Kappe hervor, zwängte seine Lockenpracht darunter und ließ sich in einiger Entfernung vom Wasser in den warmen Sand nieder, um ein Buch hervorzuziehen und sich darin zu vertiefen, während er nebenbei in den mitgenommenen Apfel biss und der Stille lauschte, die nur vom Rauschen der Wellen und dem Gekreische einiger Möwen untermalt wurde.
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Re: Rungholt: Der Strand

Beitrag  Anjun Baccaracus am Di Feb 09, 2010 11:51 pm

Anjun brach den Eulenkeks in drei Teile und fütterte seinen Raben aus der Hand. Während das Tier an dem Keks knabberte, sprach der Junge leise und zärtlich in einer fremden Sprache mit ihm. Ab und zu krähte der Vogel wie als müsse er etwas kommentieren. Als Hugin fertig gefressen hatte, hüpfte er auf die Schulter des jungen Baccaracus und knapperte sachte an seinem Haar, während er leise in sein Ohr krächzte. Plötzlich verdüsterte sich das zuvor entspannte Gesicht des Jungen und wurde regelrecht wütend. Bedauernd strich er dem Raben über das Gefieder. "Armer alter Hugin."

Nach einem weiteren Eulenkeks hob Anjun den Arm und der schwarze Vogel schwang sich in die Lüfte. Den Kopf in den Nacken gelegt, folgte der Jung ihm mit den Augen, bis er im lichten Birken und Kiefernwald verschwand. Eine Weile blieb er noch in der Brandung stehen und schnipste Steine in die Wellenkämme. Als er schließlich genug davon hatte, holte der Nachtkrabs seine Schuhe und putzte mit den Socken seine sandigen Füße ab, ehe er sie anzog.

Anjun ging langsam zu den Dünen, während die Bilder und Eindrücke dieses ersten Tages in seinem Kopf herum wirbelten. Er freute sich in Ethan einen Partner zum fechten gefunden zu haben und war gespannt auf die morgige Versammlung des neuen Vereins. Hoffentlich kam Shouky und sicher hatte Anaxiamander auch ein paar Leute eingeladen. Vielleicht war ja auch einer von den Neuen dabei? Er war gespannt auf Jekaterina, denn natürlich kannte er ihren Namen. Und dann war da ja noch der feurige Dickkopf mit den schwarzen Locken und dem Organ wie das Donnern des Meeres. Er dachte an Noises Gezeter und Dianas leichtes Lächeln, an den rätselhaften Eustach, die stille Sarfina, die vielleicht mit ihm verwandt war, an Eisschokolade mit Pandora und Anaximander und Coco, die er außer auf dem Jungfernstieg den ganzen Tag nicht gesehen hatte.

Der Nachtkrabs setzte sich in eine Düne, gar nicht so weit von Dominic entfernt. Der Sand war angenehm warm von der Sonne, deren Licht nun milder und rötlicher schien. Er legte sich auf den Rücken in den weichen Sand. Auf diese Weise gegen die die windabgewandte Dünenflanke gelehnt hatte er einen fantastischen Blick auf das Meer. Das Wasser glitzerte im Abendlicht. Möwen flogen über dem Meer und dem Land. Ihre Schatten spielten auf dem Sand; genauso wie Wolken mit der Sonne spielten.

Anjun lauchte auf das Wellenrauschen und atmete tief den salzigen Geruch. Lange Zeit saß er einfach so da, ehe sein Blick auf Dominic, der nicht weit von ihm entfernt las, fiel. //Er sucht wohl seine Ruhe.//, dachte er. //Einen Ort der Stille an den man sich zurückziehen kann. Ich kann ihn verstehen. Das gibt es selten hier.//

Anjuns Blick wanderte in die Ferne wo Himmel und Wasser sich zu einem dunstigen Blau verschwommen. Er fragte sich was die Zukunft auf Rungholt bringen würde und versuchte den Gedanken an den November zu verdrängen.

//Vielleicht sollte ich zu Anaximander gehen. Aber wahrscheinlich wird er froh sein ein wenig ungestörte Zeit mit Pandora zu verbringen.// Ihn in der Zweisamkeit im Langhaus zu stören schien ihm so unangemessen wie einem älteren Bruder beim knutschen zuzusehen. //Ihnen geht es wir mir. Wohin kommt die Zaubererwelt, wenn sich schon anderer Magier nichts mehr von dem wissen wollen, was wir alten Familien kennen und bewahren. Wenn sogar einige der alten Familien vergessen...//

Ganz still saß er Junge da und sah gedankenverloren auf das Meer hinaus. //Nun ja. Nicht ganz.//, überlegte der junge Baccaracus weiter, als sein Blick wieder auf Dominic fiel. //Er liest darin und ist klug genug zu verstehen. Ein schwieriger Mensch ist er, zynisch und sehr einsam. Aber er hat einen klugen Geist und versteht es jede Art von Theorie zu prüfen. Seltsam, dass dieses Halbblut aus einer extrem progressiven Familie dafür mehr Sinn hat, als eine Tochter aus altem Hause. Es hängt wohl sehr stark von den Persönlichkeiten ab. Ja, vor allem davon...//

Anjun kannte das Buch, das Dominic las. Natürlich, denn er hatte es ihm am Ende des letzten Semesters selber geliehen. Ein sehr seltenes Werk über alte, verschollen geglaubte Formeln; unbekannt bei der Mehrheit der modernen Zauberer. Sein Vater hatte es geschrieben und beschrieb darin einen Teil der komplexen Glyphen und Zauberzeichen alter Magie. Sogar über einige Großrituale gab es Andeutungen, aber diese hielt er absichtlich im Dunkeln. Allzuviel wollte er davon auch nicht darstellen. Es gab noch immer viel zu viele Vorurteile und Unwissenheit.

Es sind nur böse Hexen, die menschliche Fingernägel oder Zähne sammeln, war sicher eines der gängigsten Vorurteile. Dabei konnte die richtigen Verarbeitung von Fingernägeln verschiedene Hautprobleme behandeln und menschliche Zähne gaben ausgezeichnete Zutaten für Schutzamulette ab. Doch die meisten an der Schule hatten diese sicher nie in einer Liste eines Tränke- oder Zauberspruchbuchs gesehen. Natürlich nicht, denn man konnte mit Hilfe von Fingernägeln und alten Zaubern auch eine Puppe erschaffen, die einem Menschen das Leben aussaugte.

Anjun fragte sich, ob der Haß mit dem Noise ihn verfolgte auch daher rührte. //Für manche dieser modernen Zauberer sind reinblütige Familien schon von vornherein mit einem Stigma behaftet. Sie glauben, dass alles was uns aus ausmacht Haß auf Muggel ist. Dunkle Zauberer, die Seelen stehlen und Muggelkinder zermahlen, um Brot daraus zu machen.// Er lächelte bitter.

Er schüttelte den Gedanken ab und sah zu dem anderen Jungen herüber. Es schien ihm unwahrscheinlich, dass jemand wie Dominic so primitiv dachte. Sonst hätte er auch wohl kaum um dieses Buch gebeten. Nein, er wirkte nicht angeekelt. Vielmehr nachdenklich und interessiert.

Anjun kam ein wenig näher. Nicht so nahe, dass sich Dominic bedrängt fühlen konnte, aber doch nahe genug, dass er ihn klar verstehen konnte. „Du bist schon fast fertig mit dem Buch. Was hältst Du von dem was Du liest?“
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Re: Rungholt: Der Strand

Beitrag  Dominic Hohensayn am Mi Feb 10, 2010 2:12 am

[ooc: Sorry für den Roman, aber dein Post hat mich inspiriert und ich bin grad sowas von überwach, hyperaktiv und dennoch dominicesk, dass ich gar nicht stoppen konnte.]

Dominic hatte sich am Strand eingeigelt, während er las. Angezogene Beine, auf denen das Buch ruhte, gesenkte Kopf, fast so, wie er immer da saß, in seiner Fötushaltung, wie sein älterer Bruder immer spöttisch kommentierte. Lucas Hohensayn, der Herr von und zu, dem immer alles zuflog und der die Welt als unendlichen Spaß betrachtete. Sein älterer Bruder, der ihn bei jeder sich bietenden Gelegenheit aufzog und sich darüber lustig machte, dass Dominic so anders war. Anders, als sich sein Schwerenöter von einem Bruder vorstellen konnte. Aber bei ihm klang das immer so abfällig. Der hatte eben keine Ahnung, wie das war, wenn man das Leben als das betrachtete, was es wirklich war. Steter Kampf um seine Nische, Verteidigung und Schutz seiner Selbst vor dem Rest, der damit sonstwas anstellte, der Rest, dem nur daran lag, oberflächlich zu sein und sich nicht darum kümmerte, tiefer zu schürfen. Zugegeben, nicht alle waren so, aber die Ausnahmen konnte man doch an einer Hand abzählen.

Die Sonne erhitzte ihn. Schwarz war eine unvorteilhafte Farbe, wenn man am Strand saß und sich von der untergehenden Sonne bescheinen zu lassen und dazu noch Gewandung, die nur Gesicht und Hände frei ließ, sodass die Wärme sich darunter stauen konnte. Er fühlte sich ein wenig schummerig, die Strapazen der letzten Wochen waren nicht spurlos an ihm vorbeigegangen, er hatte das Gefühl, ein wenig dünnhäutig geworden zu sein und die Frontalattacke von Anaximander im Stauraum der Nixe hatte sein mühsam aufrecht erhaltenes Selbstwertgefühl gehörig in Mitleidenschaft gezogen. Deshalb brauchte er einen Ausgleich und hatte weiter in dem ausgesprochen komplizierten Buch geschmökert, das Anjun ihm geliehen hatte.

Grips, ja das hatte er. Er war nie schlecht in der Schule gewesen und seine miesen Zeugnisnoten, von denen es ein paar gab, ließen sich mit mangelndem Talent und dem Unwillen, sich mit - in seinen Augen - zweifelhaften Gebieten der Magie zu beschäftigen. Wahrsagerei gab es auch bei den Muggeln und deren Trefferquoten waren genau so gering wie die von jedem gewöhnlichen magischen Handleser, Kräuterkunde war was für Gärtner, für Menschen, die ihr Mittagessen vom Boden abkauten und die gern mit Bäumen redeten, obwohl diese bekanntermaßen nichts hören und auch nicht antworten können. Vom Fliegen brauchte man gar nicht erst anfangen. Es gab keine schrecklichere Reisemöglichkeit, dann doch lieber ein stinknormaler Muggelbus und die fand er schon unerträglich, weil sie ihn an Sardinenbüchsen erinnerten, die sein Vater so gern zum Abendessen vertilgte und immer einen schrecklichen Gestank am Tisch verbreitete. Busse waren ein wenig wie Rungholt, laut, chaotisch und überfüllt.

Högni war trotzdem ein Witzbold. Er hätte ja die Schule verlassen können, dann hätte er aus dem einzigen Talent, das er besaß, auch nichts gemacht. Das wäre eine Kapitulation vor dem Leben gewesen. Widerstände waren dazu da, um gebrochen zu werden, zumindest die Widerstände, die es wagten, sich ihm in den Weg zu stellen. Er würde diese letzten beiden Jahre durchstehen und einen hervorragenden Abschluss machen, dann in Rekordzeit studieren. Er wusste zwar noch nicht was, aber es würde sich sicherlich was finden. Seine Phase der Begeisterung für Nekromantie hatte er überwunden und seiner überfürsorglichen Mutter war ein Stein vom Herzen gefallen. Ständig hatte sie bei ihm nach Anzeichen für einen Suizidversuch gesucht, obwohl Dominic in diesem Punkt wirklich aufrichtig war: Das wäre Feigheit. Genau das hatte er ihr erklärt, für seine Verhältnisse sogar recht ausführlich. Es waren fünf Sätze gewesen. Er hatte aber noch zwei Jahre Zeit und es gab schließlich auch Berufsberatungen, Schnupperkurse an der Blocksberg-Universität und Würfel, wenn er sich dann immer noch nicht entscheiden konnte.

Nachdem er einer Weile seinen Gedanken nachgehangen hatte und dabei immer wieder auf das Buch gestarrt hatte, murmelte er die Zeilen, die er las, fast unhörbar und nur für sich bestimmt vor sich hin. Das tat er nur selten, entweder verstand er dann nichts oder etwas hatte ihn gepackt. In den meisten Fällen war es beides gleichzeitig. Das war uralte Magie, vergessene Magie, sie sprengte Dominics Vorstellungskraft zwar nicht völlig, denn es war nur ein kleiner Teil dessen, was es dort gab, doch er spürte, dass dahinter Urkräfte standen, die ihm die Haare im Nacken zu Berge stehen ließen, wenn er sich ausmalte, dass das der Ursprung des magischen Talents sein musste. Es dauerte einige Minuten, bis er in toto gefasst hatte, was dort stand, als eine Stimme zu ihm herüberdrang. Er wandte den Kopf.

Anjun Baccaracus, ein schlanker Junge mit feuerrotem Haar, dessen Augen nicht in sein Erscheinungsbild passen wollten, stand ein Stück von ihm entfernt und sprach ihn an. Dominic musste unwillkürlich lächeln, aber das Lächeln verschwand sofort wieder aus seinem Gesicht. Er fragte sich für einen Moment, ob er das machte, um ihn zu verspotten, ob er Angst hatte oder es höfliche Zurückhaltung war. Er ging kurz durch, was er an Erlebnissen mit Anjun gehabt hatte. Wenn man von einem Zusammenstoß bei Walpurgis absah, wo Dominic ohnehin ausgesprochen miese Laune hatte und selbst Högni wahrscheinlich angefahren hätte, der es meist auf irritierende Art und Weise schaffte, Dominic den Wind aus den Segeln zu nehmen, hatte er mit ihm keinen Ärger gehabt. Im Gegenteil schien er auch einigermaßen wissensbegierig zu sein, sich für Rätsel und Probleme zu interessieren und Dominic meist anständig zu behandeln. Außerdem hatte er ihm dieses wunderbare Buch verschafft. Stand also nur gegen ihn, dass er einen Raben als Haustier hatte, wobei er allerdings auch nichts dafür konnte, dass Claudius ein durch und durch verdorbenes Wesen war. Hugin war zwar ein komischer Vogel, aber er hackte nicht auf ihm herum. Außerdem war Anjun mit Anaximander befreundet, aber da Dominic heute einen guten Tag hatte, schob er das auf die Reinblütigkeitskiste. Auch wenn er nur ein Halbblut war, so war er dennoch eins mit der Tradition und konnte seinen Stammbaum genau so wie die Gobs, die Baccaracus, die Flaqsteins und die anderen Reinblüterfamilien hier zwar nicht aus dem Kopf heraus zurückverfolgen, wusste aber, dass er auf Gut Waldstein die Familienchronik befragen konnte, wenn er wollte. Er würde wahrscheinlich sogar gemeinsame Vorfahren mit den meisten Zaubererfamilien finden, aber das interessierte ihn nicht. Für ihn zählte einzig und allein Leistung. Blut transportierte Sauerstoff, das war es aber auch schon.

Dominic kam zu dem Schluss, dass es Höflichkeit war, die Anjun Abstand halten ließ und Dominic blickte an ihm vorbei in den Himmel, um über die Frage, die er ihm gestellt hatte, einen Moment nachzudenken. Er legte das Buch neben sich, schlang die Arme um seine Beine und legte den Kopf seitlich auf die Knie, bevor er antwortete. „Du stellst da eine schwierige Frage, wenn dich nicht die platte Antwort befriedigt, dass es…“ Er suchte für einen Moment nach einem besseren Wort als ‚interessant’, denn das klang immer so ironisch. „…faszinierend ist.“ Endete er dann und beließ es erst einmal dabei, um zu warten, ob und was Anjun erwidern würde. Er starrte weiterhin knapp an ihm vorbei in den Himmel, das bei den meisten Beobachtern, die nicht genauestens hinguckten, die Illusion erweckte, dass er keine Probleme damit hatte, andere Menschen auch nur anzublicken, vor Allem nicht ins Gesicht oder gar in die Augen, mal aus Angst, etwas Verbotenes zu tun, etwas zu entdecken, was er nicht sehen wollte und auch aus der Furcht, dass der Gegenüber in seine Seele schauen könnte. Das Buch lag weiterhin neben ihm, ein ausreichendes Zeichen dafür, dass er das Gespräch nicht für beendet hielt, weil er sonst weiter gelesen hätte, aber da er Anjuns Absichten nicht kannte, sah er auch keinen Anlass, ihn einzuladen, sich zu setzen. Auch wenn er keine böse Absicht erkennen konnte, war er sich da noch nicht sicher. Für Offenheit und Freundlichkeit saß sein Misstrauen gegen alles und jeden viel zu tief.
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Re: Rungholt: Der Strand

Beitrag  Anjun Baccaracus am Mi Feb 10, 2010 10:36 pm

OOC: Ich hab Dein Post genossen, Dominic. Lege nun aber nicht so lang nach ;-)

Anjun erwiderte das schmale Lächeln. Ein vorsichtiges Zeichen gegenseitige Annäherung. Dennoch blieb er vorerst dort sitzen wo er war. Falls ihm auffiel, dass Dominic ihn nicht direkt ansah, wunderte es ihn nicht. Der Junge war mit Legilimentik aufgewachsen. Von frühster Jugend von Zaubererpolitikern umgeben, die jeder ihre Geheimnisse hatten und die Geheimnisse anderer erfahren wollten, war ihm früh beigebracht worden erwachsenen Zauberern nicht in die Augen zu sehen. Wenn man nicht ständig Schutzzauber sprechen oder Amulette tragen wollte, war dies der beste Schutz für ein Kind - wie schwach er auch sein mochte.

"Ich will dich nicht stören. Ich finde es ist ohnehin oft sehr laut und chaotisch hier. Viel zu viele Nervensägen und wenig Rückzugsmöglichkeiten. Brauchte selber gerade etwas Ruhe.“

Seine Augen wanderten kurz zu dem weiten, ewig brausenden Meer und er lächelte leicht. „Aber es interessiert mich schon, was du davon hältst und es freut mich, dass Du darauf keine einfache Antwort geben möchtest. Die Magie jenseits der üblichen Spruchmagie und Standartzaubertränke findet normalerweise bestenfalls wenig Beachtung. Aber ich wusste, dass Du zu klug bist, um es bei den üblichen Phrasen bewenden zu lassen. Ich nehme an, dass es schwer zu verstehen, wenn man davon das erste Mal liest. Aber du hast das Buch schon fast fertig...." Anjun suchte kurz nach dem richtigen Wort. Gelesen schien ihm zu wenig für das was er bei Dominic gesehen hatte. "... studiert..."
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Re: Rungholt: Der Strand

Beitrag  Dominic Hohensayn am Mi Feb 10, 2010 11:05 pm

'Studiert...' Dominic schoss der Spruch ins Gedächtnis, den sein Vater gelegentlich von sich gab, dass er ach so viel studiert und mancherlei schon probiert und es dennoch nicht geschafft habe. Dominic wusste, dass es aus irgend einem Buch stammte, jedenfalls klang es so. Der Sinn dahinter hatte sich bei ihm bislang nicht erschlossen und er hatte bislang auch keine Lust gehabt, das nachzuschlagen, nahm es sich aber vor, herauszubekommen, wo das herkam und was zur Hölle er damit genau meinte. Plötzlich nagte der Makel der Unwissenheit an ihm, den er schnell zu verdrängen versuchte. Es gelang ihm auch für den Moment. Er richtete seine Gedanken wieder in das Hier und Jetzt und rekapitulierte kurz innerlich, was Anjun gesagt hatte.

"Laut, chaotisch, voll und distanzlos." stimmte Dominic ihm nach einem Augenblick zu. "Aber irgendwann ballen sie sich an bestimmten Orten und lassen einem Freiraum." Er legte seine Hand auf das Buch und streichelte den Einband beinahe zärtlich, spürte das Leder unter den Fingern. Selbst bei einer bloßen Berührung durch den Buchdeckel konnte man spüren, dass es kein gewöhnliches Buch war, das er da neben sich liegen hatte. Seltsam, dass er so etwas noch nie zuvor in den Fingern gehabt hatte.

Anjun sprach geschwollen, wie ihm zum ersten Mal wirklich gewahr wurde. Ein wenig antiquiert, wie in einem alten Buch. Kein Vergleich zu ihm, dem es passierte, dass auch schonmal die hessische Mundart durchkam, auch wenn er das so gut es ging vermied. Er zögerte einen Moment und bedeutete Anjun dann wortlos, dass er sich setzen könne, wenn er mochte, während sein Blick zur Antwort an den Punkt wanderte, wo das Meer im Horizont verschwand. Währenddessen formulierte er eine Antwort. "Es ist wie die Suche nach dem Ursprung. Das, was in dem Text beschrieben steht, rührt an der Herkunft der Magie, scheint näher dran zu sein als irgendwelche Kunststücke wie Kissen durch die Luft schweben zu lassen. Das macht es... schwierig, wenn man es so nennen will. Wenn man nicht aufpasst..." Er runzelte die Stirn. Er hasste es, persönliche Empfindungen auszudrücken und stoppte deshalb. Er suchte nach einer neutralen, objektiven Formulierung. "Für den Leser muss es im ersten Moment eine Last sein, wenn er mit etwas konfrontiert wird, was größer ist als er." Das Gefühl kannte er nur zu gut, wenn er so an seine... Neigung... dachte. Das war ähnlich. "Man muss sich hereinarbeiten und das System verstehen, um damit umgehen zu können."
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Re: Rungholt: Der Strand

Beitrag  Anjun Baccaracus am Do Feb 11, 2010 10:13 pm

"Ja, zum Glück hat man hier meist seine Ruhe. Die brauche ich jetzt ehrlich gesagt auch. Es gibt leider einige Schüler, die nicht verstehen, dass man sich nicht brutal in die Unterhaltungen anderer Leute drängt.", sagte er trocken und mit einem Nachhall des alten Ärgers in der Stimme. Der Junge machte eine Geste, die der ganzen Umgebung galt. Das Meer leckte über den Sand und bildete weiche nasse Streifen an der Wellenlinie. Anjun sah auf das ewig brandende Meer hinaus. "Aber es gibt ja auch den Strand. Hier ist Frieden und ich mag es, wenn der Blick ins Freie geht."
 
Der junge Baccaracus nahm Dominics Einladung sich etwas näher heran zu setzen an und streckte sich im Sand aus. Er wusste, dass dies eine seltene Geste war, denn ihm war nicht entgangen, dass der Elwetritsche es wo immer es ging vermied mit anderen Leuten zusammenzusitzen.
 
 "Die Bibliothek ist auch so ein Ort der Ruhe.“, sagte er. "Aber wohl eher nichts für mich." Er lächelte entschuldigend, da er wusste wie sehr Dominic die Bibliothek mochte. Da er ihn nicht ansah, vermied es auch Anjun. Stattdessen folgte er seinem Blick zum Meer hin und ließ Sand durch seine Hände gleiten. Das in der Ebbe zurückweichende Wasser hatte eine Bank von Muscheln und Steinen freigelegt zwischen denen nun Möwen nach Futter suchten.
 
„Weißt Du, meine Hauslehrerin hat mich als Strafe oft in die Bibliothek eingesperrt, wo ich Zaubertrankrezepte übersetzen oder Formel auswendig lernen musste.“
 
Für eine Weile saßen die beiden Jungen schweigend nebeneinander und sahen auf das Meer hinaus. Irgendwo weit entfernt meinte sie kurz einen Meermenschen zu sehen, aber vielleicht war es nur eine optische Täuschung.

Der junge Baccaracus fragte sich wie offen er sein durfte. Einige der Dinge waren immer nur mündlich weiter gegeben worden und zwar von Generation zu Generation. Andererseits hatte sein Vater ja einiges aufgeschrieben und nichts dagegen eingewandt Dominic das Buch zu leihen.

„Alte Magie ist elementar. Es gibt Formen, die sich nicht so einfach einsperren lassen. Sie sind mächtig, unberechenbar und bisweilen gefährlich. Auch für den Anwender. Das Ministerium versucht alles zu verregel und einzusperren. Das hat seine Gründe und seine Berechtigung. Aber darüber wurde so vieles vergessen und unter Paragraphen verschüttet. Das System der alten Magie ist anders, als die Sprüche, die wir hier lernen. Sie ist eher ein Urelement. Und ja, sie kann auch eine Last sein.“
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Re: Rungholt: Der Strand

Beitrag  Dominic Hohensayn am Fr Feb 12, 2010 1:35 am

"Dass man nicht jeden mit belanglosem Zeug zuquasseln muss." pflichtete Dominic Anjun zu und verfiel wieder für einen Augenblick in Schweigen. Was war er froh, dass es ihm gelungen war, dass die meisten Schüler auf Rungholt nichts mit ihm zu tun haben wollten, wenn man von einigen hartnäckigen Fällen absah. Gespräche waren dazu da, um wichtige Dinge zu artikulieren, nicht um Nichtigkeiten auszutauschen, die für den Gegenüber nicht von Wert oder Interesse waren, wahrscheinlich noch nicht einmal für Denjenigen, der sie aussprach.

Stumm hörte er Anjun zu, wie er seine Erfahrungen mit Bibliotheken erläuterte. Dominic ließ ihn gewähren, auch wenn er sich fragte, warum ihn das interessieren sollte. Jede Bibliothek war anders. Die Familienbibliothek daheim war für ihn unerträglich, das hieß aber noch lange nicht, dass er deshalb keine Bibliothek mehr betreten konnte. Die Bibliothek von Rungholt hatte einen ganz anderen Charakter, sie fühlte sich anders an, sie war ein schöner Ort. Anjun sah das viel zu undifferenziert, doch wer war er, dass er ihn darauf hinweisen sollte? Das ging ihn schließlich nichts an, das war ein persönliches Problem des Rothaarigen.

Die Ausführungen über alte Magie reizten ihn wesentlich mehr. Wenn man so wollte, stammte er natürlich aus einer alten Zaubererfamilie, allerdings hatte die ganze Familie einen Schlag und wenn er sensibel für solche Fragen wäre, hätte Dominic sich gefragt, wieso seine Mutter einen Historiker geheiratet hat, wo sie doch genau so progressiv war wie ihre ganze lästige Verwandtschaft, die immerzu nach vorn blickte und für Tradition, Wahrung von altem Wissen und all dem, wofür der klischeehafte Reinblüter so stand, nur einen geringen Sinn hatte. Die einzige Tradition, die gewahrt wurde, war der Familienzusammenhalt und damit verbunden die Sitte, Muggel zu heiraten.

"Jeder Institution geht es um Macht. Dinge, die man nicht kontrollieren kann, muss man demnach verbieten, weil man keine Macht über sie hat, es aber die Möglichkeit gibt, dass jemand anderes diese Macht besitzt oder zumindest besitzen kann. Das bedeutet Machtverlust für die Institution und das kann sie nicht zulassen." Er schüttelte den Kopf. "Totaler Schwachsinn." Dominic schüttelte erneut mit dem Kopf. "Damit wird jede Art von Erkenntnis verhindert. Auch so ein Widerstand, den man erdulden muss und nicht brechen kann." Er dachte einen Augenblick über das nach, was er leise gesagt hatte, mehr zu sich selbst, weil es ein Teil seiner Weltsicht war. Er musste jetzt noch etwas sagen, damit Anjun das nicht merkte, zumindest hoffte er das.

"Genau so wie Menschen in Bibliotheken einzusperren, als ob sie Gefängnisse wären und keine Orte der Freiheit und unabhängigkeit." ergänzte er seine Gedanken zu diesem Thema noch, weil ihm spontan nichts einfiel, was er noch an sachlichen Dingen sagen konnte, ohne noch tiefere Einblicke in seine Gedankenwelt zu geben. Dass er nichts davon hielt, was Anjun widerfahren war, dürfte wohl offensichtlich sein, sodass an diesem Punkt keine Gefahr drohte. Und auch wenn er es nicht einmal vor sich selbst zugeben wollte, empfand er Abscheu vor dem, was man dem Jungen angetan hatte.
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Re: Rungholt: Der Strand

Beitrag  Anjun Baccaracus am Sa Feb 13, 2010 11:06 am

Anjun bohrte seine Hände in den weichen Sand neben sich. Ihm war nicht ganz klar, was Dominic mit den Widerständen, die nicht gebrochen werden konnten, meinte. Bezog er das auf das Ministerium für Zauberei? Dass es zwecklos war sich dagegen aufzulehnen? Die Sinnlosigkeit des Widerstand gegen die schleichende Entmachtung? Wie wenig es brachte, wenn seine Mutter im Ministerium versuchte den Rest des alten Stolzes und der alten Unabhängigkeit zu wahren?

Oder war es ein geschickter Versuch ihm das Geständnis entlocken Arten von Magie zu praktizieren, die das Ministerium nicht autorisiert hatte?

Nicht das alles davon schwarze Magie gewesen wäre. Manches davon waren nur harmlose Kleinigkeiten, die man damals einfach vergessen hatte zu autorisieren, weil sie für seine Familie so alltäglich waren, dass sie gar nicht auf die Idee gekommen waren. Zum Beispiel wie man Verletzungen mit Spucke heilte. Es war lächerlich, dass so etwas heute als Geheimwissen galt, wo doch sogar Muggel bisweilen über ihre Wunden leckten. Es ging aber auch bis zu dem Wissen wie man einzelne Zauber ohne Zauberstab ausführen konnte. Dies zu verbieten machte aus der Sicht der Zentralinstitution sehr viel Sinn. Wie sonst sollte man sonst unliebsame Zauberer unter Kontrolle halten, als ihnen den Zauberstab wegzunehmen. Anjun bedauerte nur, dass seine Eltern ihm nur so wenig davon beigebracht hatten. Sonst wäre er Jörn nicht so hilflos ausgeliefert gewesen.

Der Junge war sich nicht sicher wie viel er erzählen durfte. Vielleicht sollte er einfach warten, ob Dominic etwas fragte. Immerhin war das alte Wissen nicht etwas was man jedem frei Haus lieferte. Viel zu hart hatte seine Familie um ihre Freiheiten gekämpft.

Andererseits klang es eher als meine er etwas persönlicheres. Etwas, dass Dominic in seinem Innersten bewegte und das er nicht offenbaren wollte. Er war bei diesen Worten noch leiser geworden. Anjun entschloss sich daher zu diesem Punkt lieber erstmal nichts zu sagen. Das konnte er später immer noch.

Stattdessen ging er nur auf die letzte Äußerung des Jungen ein. "Sie ist eine hervorragende Lehrerin.", widersprach er energisch. Ihm missfiel die Kritik an Jasinai Rottmeister. Obwohl sie streng und bisweilen unbarmherzig mit ihm gewesen war, gehörte sie doch zu seinem engsten Kreis. Wie alle Baccaracus hatte von frühester Jugend auf gelernt die Seinen wie ein Löwe zu verteidigen.

„Bibliotheken sollten ein Ort der Freiheit und des Wissens sein. Das klingt schön.",fuhr er versöhnlicher fort. Er streckte seine Beine aus und blickte Dominic von der Seite an - nicht zu lange, um ihn nicht zu beunruhigen.

"So simpel war das auch nicht. Manchmal habe ich auch einfach meine Feder verzaubert, damit sie die Abschriften für mich macht und habe in der Zwischenzeit gelesen. Geschichte der Magie, Zauberkräuter Afrikas, Blutrituale in südamerikanischen Hochzivilisationen, Zaubertränke eins, zwei und drei oder auch nur Quidditch im Wandel der Zeiten. Kleine Freiheiten. Kleine Tore in andere Welten. Ich nehme an sie wusste das und hat dennoch nichts unternommen. Jedenfalls habe ich auf diese Weise auch eine ganze Menge gelernt. - Du liest viel. Auch ungewöhnliche Bücher, - jedenfalls für die meisten Hexen und Zauberer - wie dieses hier.“

Der junge Baccaracus nahm das Buch und in seinen Händen schien es lebendig zu werde. Ohne Zweifel, es erkannte ihn wieder. Seine Seiten raschelten und warteten nur darauf sich dort aufzuschlagen, wo der Junge es wollte. „Was interessiert Dich daran?“
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Re: Rungholt: Der Strand

Beitrag  Dominic Hohensayn am So Feb 14, 2010 10:25 pm

Dass Anjun ihm widersprechen würde, dass es keine schreckliche Sache war, jemanden in eine Bibliothek einzusperren, weil die Lehrerin offenbar fähig war, überraschte ihn ein wenig, denn er konnte sich nicht vorstellen, dass eine solch kurzsichtige Lehrerin, die elementare Handlungsfolgen nicht abschätzen konnte, eine gute Lehrerin sein konnte. Aber offenbar war Anjun in diesem Punkt anderer Meinung. Da er allerdings kein Gespräch über die Person, eine Jasinai Rottmeister, führen wollte, vor Allem natürlich deshalb, weil er sie nicht kannte und zudem, weil Anjun eine persönliche Beziehung zu ihr hatte, die Dominic nicht einmal im Ansatz verstand (für ihn waren Lehrer einfach nur Wissensvermittler, eher Maschinen als Menschen), schwieg er sich zu diesem Thema lieber aus.

"Ich lese für jedermann ungewöhnliches Zeug." erwiderte Dominic und er klang dabei für seine Verhältnisse ausgesprochen spöttisch. Wenn er so darüber nachdachte, was die anderen Rungholter Leseratten so zu ihrem Bestand zählten, war er sogar für die Sachbuchleser ein Exot, der sich vornehmlich mit Randgebieten oder "Pfui-Bah-Themen", wie er sie bei sich gelegentlich nannte, beschäftigte. "Mit dem, was alle machen, muss man sich nicht beschäftigen, da gibt es letztlich nichts mehr zu entdecken." Er runzelte die Stirn. "Lesen ist kein rein rezeptiver Prozess, man liest nicht um des Lesens Willen, das ist Energieverschwendung. Man liest, um seine Sicht der Welt zu korrigieren und um eigene Erkenntnisse daraus zu ziehen. Ich brauche niemanden, der für mich denkt." Seine Stimme hatte einen harten Klang angenommen, während er seine Ausführungen machte. "Also beschäftige ich mich mit den Dingen, die andere übersehen, denn da lässt sich noch Wertvolles finden." schloss er schulterzuckend. "Außerdem..." Dominic zog seine Kappe ab und schüttelte seinen Kopf, dass die Locken flogen. Es war ihm ziemlich warm drunter geworden. "...gibt niemand unqualifizierte Gemeinplätze ab zu den Themen, von denen er wirklich keine Ahnung hat."

Er blinzelte in den Himmel, wo die Sonne noch stand. Sie würde nicht mehr allzu lange auf ihn herunter sengen, es würde sich also nicht lohnen, noch großen Aufwand zum Sonnenschutz zu betreiben. Er ließ die Kappe in seiner Tasche verschwinden und entspannte sich ein wenig. Wenn er seinem Ärger Luft machen konnte, wirkte das immer lockernd. Er ließ die Beine zwar angezogen, allerdings ließ er sich nach hinten fallen und stützte sich auf die Ellenbögen. "Und von alter Magie haben nur wenige Zauberer eine Ahnung, eigentlich nur die, die es praktizieren. Geheimwissen nennen sie es..." Wieder klang er ein wenig spöttisch. "... was auch nur dafür spricht, dass sie zu faul sind, sich die Mühe zu machen, genau das Geheime zu ergründen." Dass seine Sicht der Dinge in diesem Punkt ambivalent war, denn Kräuterkunde und Wahrsagerei strafte er auch mit Ignoranz, war ihm nicht wirklich bewusst und selbst wenn, würde er es sowieso leugnen.
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Re: Rungholt: Der Strand

Beitrag  Anjun Baccaracus am So Feb 14, 2010 11:29 pm

„Ach, und Du bist derjenige, der dem Geheimen auf den Grund geht?“ Anjun zog spöttisch die Augenbrauen hoch. In seinen Ohren klang Dominic unangemessen hart und selbstgerecht. „Probierst Du neue Zauber aus? Gehst Du an Orte, an denen nie zuvor ein Zauberer gewesen ist? Erforscht Du die Hinterlassenschaften alter Zivilisationen?“
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Re: Rungholt: Der Strand

Beitrag  Dominic Hohensayn am So Feb 14, 2010 11:48 pm

"Jeder nach den Möglichkeiten, die einem offen stehen." erwiderte Dominic stirnrunzelnd und warf Anjun einen verständnislosen Blick zu. "Ich bin Schüler, ich kann mich nicht ständig in irgendwelchen unbekannten Gebieten herumtreiben, ich habe hier Verpflichtungen zu erfüllen, um mir solche Perspektiven erst zu eröffnen." erwiderte er. Magiarchäologie war zwar nicht seine Sache, aber Anjun hatte im Wesentlichen dieses Thema angeschnitten.

"Und die Haut verbrannt habe ich mir auch nicht, weil ich den ganzen Tag am Strand gelegen habe. Ich war mit meinem Vater unterwegs, er hat ein paar Ausgrabungsstätten und Museen abgeklappert." Er blickte wieder in die Ferne. Der Urlaub in Italien war alles andere als angenehm gewesen. Er hatte sich alles genauestens angeguckt, aber mehr als ziemlich verbrannte Haut hatte es ihm nicht gebracht. Nirgendwo war ein Rätsel, dem man sich widmen konnte, es gab nichts, was seinen Wissensdurst geweckt hatte.

Dann deutete er auf das Buch, dass bei Anjun lag. "Aber was ist denn das anderes als die Erforschung einer lange verschollenen Tradition? Wer pflegt noch solch ein Wissen? Ist das nicht so gut wie ausgestorben?" Dominic fühlte sich stärker gedrängt, sich zu rechtfertigen. "Ich kann auch nicht zaubern." Er schüttelte den Kopf. "Zumindest nicht in diesem Rahmen. Ich kann nicht alles, das wollte ich auch gar nicht sagen. Aber ich laufe auch nicht mit verschlossenen Augen durch die Welt." Er schüttelte den Kopf. "Ich stelle Ansprüche, Dinge, die ich schaffen will. Hast du keine Ziele?" fragte er und konnte den Tonfall, der klar machte, dass er sich von Anjuns Worten angegriffen fühlt, nicht ganz unterdrücken.
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Re: Rungholt: Der Strand

Beitrag  Anjun Baccaracus am Mo Feb 15, 2010 12:15 am

„Du warst in den Ferien auch auf einer Ausgrabung?“, fragte Anjun überrascht. „Ich auch! Ich war mit meine Eltern in Mexiko wo mein Vater eine Ausgrabung finanziert. Dein Vater ist auch Magiearchäologe?“ Gab es eine Gemeinsamkeit zwischen ihnen?

Er hatte den anderen Jungen nicht verletzen wollen. Versöhnlicher fuhr er fort. „Mehr von dem Geheimen zu erforschen, als andere, ist für einen Schüler wirklich zu viel verlangt. Die Augen offen zu halten, reicht. Und was die alten Zauber betrifft. Bislang sind mir nur zwei Kategorien von Leuten begegnet, die sie erforscht haben. Die einen, wollten sie stehlen, um sie für ihre Zwecke zu missbrauchen. Und die anderen, wollten sie kontrollieren. Doch irgendetwas sagt mir, dass Du weder zu der einen noch zu der anderen Kategorie gehörst.“

Er sah ihn aus seinen kühlen blauen Augen forschend an. Dabei konzentrierte er sich so fest er konnte, auf Dominics Geist, aber seine Kenntnisse im Legilimens waren viel zu schwach ausgebildet, als daß er mehr gesehen hätte, als die Mimik besser deuten zu können.

„Und meine Ziele hänge damit zusammen. Als erstes will ich einen guten Abschluss machen und zur Blocksberg-Universität gehen. In diesem Jahr werden meine Noten definitiv besser als im letzten Jahr.“ Er lächelte schief. „Wenn ich gut genug bin, werde ich eine Ausbildung als Auror machen. Nicht, weil ich unbedingt schwarze Magier jagen will, sondern weil es viel von dem umfasst, was ein Baccaracus können muß. Und Du, was willst Du machen?“
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Re: Rungholt: Der Strand

Beitrag  Dominic Hohensayn am Mo Feb 15, 2010 2:03 am

"Mein Vater ist Historiker... Geschichte der Antike, vor Allem Griechenland in hellenistischer Zeit." antwortete Dominic. "Hat aber Gelder für ein Forschungsprojekt in Italien bekommen. Muggel." meinte er und war ein wenig erstaunt darüber, dass Anjun sich seiner Herkunft nicht bewusst war, dabei waren die Reinblüter doch so versessen auf Klassifikation und die Waldsteinfamilie war ja... berüchtigt.

Auf Anjuns Ausführungen zum Thema Alte Magie konnte er jedenfalls nur mit dem Kopf schütteln. "Stehlen ist verwerflich und Kontrolle über Wissen ebenso. Jeder hat ein Recht darauf zu wissen, dass es solches Wissen gibt. Ob jeder jedes Wissen haben sollte, ist eine andere Frage, aber warum sollte man krampfhaft Macht unter seine Kontrolle bringen wollen? Das zeugt von Charakterschwäche." dozierte Dominic, der sich ein wenig komisch fühlte.

Er hörte dem anderen Schüler zu, wie er von seinen Plänen berichtete und er fühlte sich nicht überinformiert, wie er es unter normalen Umständen tun sollte. Er hatte es geschafft, eine bislang anständige Unterhaltung mit Anjun geführt, obwohl sie persönliche Bereiche gestreift hatte und jetzt vertiefte sich das auch noch. Anjun war ein komischer Kauz, aber scharfsinnig, das musste Dominic ihm lassen. Und es gelang ihm, dass Dominic sich entspannt fühlte. Vielleicht lag es auch daran, dass er zur Abwechslung nicht schreien musste, sich nicht wehren musste. Es war fast so, als ob er allein wäre und Anjun kaum da. Jedenfalls war es mal ganz angenehm als Abwechslung. Es war mehr wie daheim, nachdem der erste Tag so sehr an seinen Nerven gezerrt hatte und alle ihm Böses wollten. Dominic konnte diese Absicht allerdings nicht erkennen. Vielleicht war er im Moment einfach nur zu schwach, aber er ließ sich darauf ein.

"Zwei Jahre noch und dann ein erstklassiger Abschluss, um Zauberstabkunde zu studieren." Das hatte er noch niemandem erzählt, aber die Frage nach seinem eigenen Zauberstab hatte ihn so lange beschäftigt, dass er sich kaum noch etwas anderes vorstellen konnte. Er wollte die Zusammenhänge von Ding und Magie verstehen. "Also erst einmal Konstruktionswesen und dann hoffen, dass man mir die Spezialisierung gewährt." Er kaute nervös auf seiner Unterlippe herum. Seine Zukunftspläne waren ein wenig komplizierter, weil Zauberstabkunde ein extrem exotisches und seltenes Fach war und sich Aethelred Funkenstaub ihre Studenten persönlich aussuchte und nur als Graduiertenstudenten. Aber er hatte es sich in den Kopf gesetzt, auch wenn es nicht einfach werden würde.
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Re: Rungholt: Der Strand

Beitrag  Anjun Baccaracus am Mo Feb 15, 2010 10:10 pm

"Muggel-Archäologe? Ich habe ein paar davon in Mexiko gesehen. Zwei Tage bevor wir abgereist sind, habe auch die Muggel mit einer Ausgrabung begonnen. Sie hatten eine Karte bei sich, die sie mit der Hilfe von Geräten erstellt haben, die ähnlich wie Analysezauber funktionieren. Sie mussten aber alles mit Schaufeln ausgraben. Haben in der tropischen Hitze ganz schön geschwitzt, die Armen."

Da Dominic sich zu entspannen begann, streckt auch Anjun sich in dem weichen Sand aus. Er bettete seinen Kopf in seine Arme und sah zum Himmel.

"Zauberstabmacher, das klingt interessant! Ist eines der anspruchsvollsten Gebiete der Artefakterschaffung." Der Junge drehte den Kopf leicht zur Seite, um Dominic ansehen zu können. Er hatte das unbestimmte Gefühl, dass er ihm gerade ein Geheimnis anvertraut hatte.

"Es gibt viel zu wenig gute Zauberstabhersteller. Aber Du könntest es wahrscheinlich schaffen. Funkenstaub ist der beste Lehrer dafür. Es sei denn natürlich man entschließt sich für die nicht-akademische Variante und geht zu D'Honneur." Der Nachtkrabs tastete an seiner Seite und zog seinen Zauberstab hervor. "Der hier ist von Funkenstaub: Eberesche mit Hippogrifffeder. Individuelle Anfertigung. So etwas bekommt man in den Manufakturen nicht. Dabei war die Eberesche bei den Druiden ein besonders beliebter Baum für Zauberstäbe. Die Kelten bepflanzten ihre heiligen Stätten oftmals mit der Pflanze und den Germanen als galt er als Thor geweihter Baum heilig. Aber das haben viele wohl vergessen." Anjun wog seinen Zauberstab auf seinene Fingern. "Eberesche passt gut zu mir. Besonders meinen Haaren.", schmunzelte er. „Und eine Hippogriffenfeder passt auch zu mir.“
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Re: Rungholt: Der Strand

Beitrag  Dominic Hohensayn am Mo Feb 15, 2010 10:45 pm

"Historiker, nicht Archäologe. Aber für die Antike braucht man die Archäologen, um an seine Quellen zu kommen, die wesentlichen Dinge, die wir über diese Zeit wissen und nicht durch die Jahrhunderte in schriftlicher Form überliefert wurde, findet sich auf Inschriften und die werden von den Archäologen ausgegraben." erläuterte Dominic mehr oder minder kurz das Missverständnis, dem Anjun offenbar aufgesessen war. "Ist aber bestimmt kein angenehmer Job, allein schon, weil man ständig diesem ... Wetter ausgesetzt ist."

Während er ein wenig an seinen Wangen herumkratzte, der Sonnenbrand nervte ihn mittlerweile doch ziemlich, sodass er in seiner Tasche stöberte und die giftgrüne Salbe hervorzog. Während er sich vorsichtig sein Gesicht dick mit dem selbstgebrauten Teufelszeug seiner Mutter einschmierte und dabei einen furchtbaren Geruch verbreitete, was wohl daran lag, dass ein wesentlicher Bestandteil der Salbe verfaulte Naga-Eier waren, redete er weiter.

"Gerade weil es so anspruchsvoll ist. Ist halt ne Aufgabe." sagte er zuerst schulterzuckend und spürte dann, dass die Antwort wohl nicht ausreichend war. Er überlegte, was er sagen konnte. "Mir geht es aber weniger um das Bauen, als eher um die Zusammenhänge. Ich bin nicht sonderlich talentiert in handwerklichen Dingen. Das würde nicht gut gehen." Er zuckte mit den Schultern und betrachtete dann Anjuns Zauberstab. "Ich wusste gar nicht, dass er noch selber Zauberstäbe fertigt. Ich dachte, Galaxia Mandragus wäre die einzige, die in Deutschland noch Zauberstäbe fertigen würde, nachdem ihr Auszubildender sich selbst in die Luft gejagt hat." er legte die Stirn in Falten. "Darf ich mal?" Er verlagerte sein Gewicht auf einen Arm und streckte Anjun die Hand entgegen.
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Re: Rungholt: Der Strand

Beitrag  Anjun Baccaracus am Mo Feb 15, 2010 10:58 pm

Anjun beobachtete Dominic dabei, wie er sich mit einer fürchterlich aussehenden Salbe eincremte und runzelte die Augenbrauen. „Gibt es einen bestimmten Grund dafür, dass Du dich nicht mit einem Heilzauber belegst?“ Er wunderte sich ein wenig darüber, denn dies war die Weise, wie er selber bei sich üblicherweise einen Sonnenbrand behandelte. Immerhin war es auch nichts anderes als eine leichte Verbrennung.

Als Dominic seinen Zauberstab haben wollte, zog der Junge seine Hand zurück. „Vorsichtig. Es ist ein individuell gebundetenes Artefakt. Er wird Dir nicht gehorchen, dich sogar verfluchen, wenn ich ihn nicht auf Dich einstimme.“

Anjun umfasste den Zauberstab fest mit beiden Händen und streckte sie dem Elwetritschen entgegen. „Leg Deine Hände auf meine Hände, während ich den Zauber spreche. Dann kannst Du ihn benutzen.“
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Re: Rungholt: Der Strand

Beitrag  Dominic Hohensayn am Mo Feb 15, 2010 11:16 pm

Schutzzauber auf Zauberstäben hielt Anjun zwar für ein wenig übertrieben und dass, obwohl er selber reichlich misstrauisch war, aber wenn es ihm ein besseres Gefühl gab, wer war Dominic schon, ihm deshalb einen Vortrag darüber zu halten, dass das blödsinnig war, seinen Zauberstab so aufwändig zu schützen. Er säuberte seine Hände kurz an einem weißen Lappen und beantwortete erst einmal Anjuns Frage.

"Die handwerklichen Probleme. Du willst nicht sehen, was passiert, wenn ich mich an Heilzaubern versuche. Mein Zauberstab reagiert ja sowieso schon mal gern über." Er legte die Stirn in Falten. "Außerdem ist der Sonnenbrand hartnäckig, meine Mutter hat es mit dem üblichen Zauber probiert. Gewirkt hat er nur bedingt." Dann blickte er auf Anjuns Hände und zögerte. Er mochte andere Menschen nicht gern berühren, er fühlte sich dabei unwohl und er hasste es auch, wenn er angefasst wurde, das noch mehr als andere zu berühren. Wenn ihn jemand anfasste, schwante ihm immer Übles. Doch er hatte Anjun gefragt, ob er den Zauberstab einmal halten könne. Er zog seinen eigenen Stab - Bambus und Doxyhaar - den er in den Sand legte. "Als Pfand." kommentierte er seine Geste kurz und legte dann seine Hände auf Anjuns.
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Re: Rungholt: Der Strand

Beitrag  Anjun Baccaracus am Mo Feb 15, 2010 11:27 pm

Anjun lächelte leise, als Dominic seinen Zauberstab vor ihn in den Sand legte. Der Zauberstab war das wichtigste Werkzeug eines Zauberers. Ihn jemandem anderes zu geben war eine Geste des Vertrauens.

Als der andere Junge seine Hände um die seinen legte, schloss er die Augen und begann einen leisen Singsang in einer alten Sprache. Langsam, unendlich langsam zog er seine Finger unter Dominics hervor, bis dieser den Zauberstab als der Übergaberitus endete ganz in seinen Händen hielt.
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Re: Rungholt: Der Strand

Beitrag  Dominic Hohensayn am Di Feb 16, 2010 12:02 am

Dominic sah Anjun stumm zu, während er seine Beschwörung sprach und Dominic die Magie als leichtes, aber angenehmes Kribbeln in seinen Händen spüren konnte. Schließlich hielt er den Zauberstab allein in Händen. Er warf noch einen kurzen Blick auf seinen eigenen Stab im Sand. "Der da tut dir nichts, der ist nicht gesichert. Lohnt sich aber nicht, ich glaube nicht, dass er dir den Gefallen tut, anständig zu funktionieren. Er verweigert selbst mir gelegentlich seine Dienste."

Mit diesen Worten führte er Anjuns Zauberstab dicht an seinen Augen vorbei und studierte die Holzmaserung, die den Stab überzog. Er war vollkommen ebenmäßig, noch ebenmäßiger als ein gewöhnlicher Zauberstab. Dominic fuhr ihn mit seinen Fingerkuppen ab, er konnte nicht nur nichts sehen, sondern auch keine Unebenheit spüren. "Vollkommen glatt." kommentierte er das Erlebnis. "Ungestörter Fluss der Magie. Esche symbolisiert den Weltenbaum... Und steht für Eitelkeit, wenn ich mich nicht irre. Aber bei meinem Zauberstab sollte ich besser gar nichts zu dem Materialthema sagen." In seinen Augen blitzte kurz Spott. "Hippogreifenfeder ist natürlich ein starker Kern."

Dominic zielte mit seinem Zauberstab sorgfältig auf einen größeren Stein in ihrer Nähe. Dann sagte er "Confringo." und ein Zauber schoss auf den Stein, der allerdings nicht explodierte, wie er sollte, sondern nur fein säuberlich zerbröselte. "Immerhin, besseres Ergebnis als mit den meisten Stäben. Aber findest du ihn nicht ein wenig schwer?" Dominic, der nur seinen extrem leichten Zauberstab gewöhnt war, reichte Anjun seinen Zauberstab wieder zurück.
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Re: Rungholt: Der Strand

Beitrag  Anjun Baccaracus am Di Feb 16, 2010 4:29 pm

Anjun wog Dominics Zauberstab in den Händen. Er war leicht, viel leichter als sein eigener, und außerordentlich biegsam.

"Bambus mit Doxyhaar. Was für eine ungewöhnliche Kombination!"

Er nahm in bald in die eine, bald in die andere Hand und schwang ihn herum, um ein Gefühl für ihn zu bekommen. Dann richtete er den Zauberstab auf das Meer, um eine Wand aus Wasser heraufzubeschwören. Normalerweise beherrschte er diesen Spruch sehr gut, aber diesmal geschah nichts, außer dass sich das Wasser ein wenig kräuselte. Trotz Dominics vorheriger Einschätzung war Anjun etwas enttäuscht.

Er versuchte es mit etwas einfacherem, aber statt eines "Lumos" brach eine riesige Feuerflamme daraus hervor. Rasch beendete Anjun den Zauber und betrachtete das Bambusrohr nachdenklich. "Du hast recht, er ist ziemlich unberechenbar. Muß das Doxyhaar sein."
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Re: Rungholt: Der Strand

Beitrag  Dominic Hohensayn am Di Feb 16, 2010 5:44 pm

"In der Tat ungewöhnlich und schwer zu beherrschen. Er war ein Experiment..." '... in mehrerlei Hinsicht.' setzte er gedanklich nach. Die Entwicklung des Zauberstabs oblag dem ehemaligen Auszubildenden von Galaxia Mandragus, der sich im letzten Jahr bei irgend einem wilden Experiment selbst in die Luft gejagt hatte und Dominic hatte den Stab erst in die Finger bekommen, als er gefühlt sämtliche Zauberstäbe des Ladens durchprobiert hatte, weil sie alle keine oder nur schwache Reaktionen gezeigt hatten, wohingegen der Bambusstab auf Anhieb eine ziemliche Verwüstung angerichtet hatte.

"Aber er ist für mich nach wie vor ein Rätsel. Ich habe zwar von asiatischen Zauberstäben gelesen, die auch gelegentlich Bambus verwenden, aber es wundert mich, dass Doxyhaar überhaupt funktioniert. Magisches Ungeziefer." Einerseits war er stolz auf seinen Zauberstab, der wirklich durchschlagende Wirkung hatte, meist stärker, als er es beabsichtigte, andererseits konnte man nicht leugnen, dass Doxys giftige Ungeziefer und Schädlinge waren und nicht im Mindesten so eindrucksvoll wie beispielsweise Drachenherzfaser, auf die die Engländer so versessen waren. Deshalb klang er doch recht bitter, als er das Wort aussprach. "Jedenfalls ist es keine gute Idee, sich damit eine Verbrennung wegzuzaubern, als ich es zuletzt probiert hatte, musste ich ins Albertus Magnus und musste drei Tage lang Intensivbetreuung durch meinen Bruder ertragen." Er klang jetzt unüberhörbar mürrisch. Das war in der letzten Phase von Lucas' Praktikum gewesen, bevor er sich für die Tierwesen entschieden hatte. Es war ätzend gewesen, stündlich den Blondschopf seines Bruders zu sehen, der sich gekünstelt erkundigte, ob sein Lieblingspatient irgendwelche Wünsche hätte. Dominic verdrehte bei der Erinnerung die Augen extrem. "Brüder sind so lästig."
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Re: Rungholt: Der Strand

Beitrag  Anjun Baccaracus am Di Feb 16, 2010 10:06 pm

"Dein Zauberstab hat eindeutig eine eruptive Art. Kein Wunder. Man sagt Doxys nach den Regeln alter Zauberer eine Affinität zum Element Feuer nach. Das erklärt auch, warum der Lumos zu einem Flammenwerfer wurde, während die Wasserbeschwörung nicht funktionierte.“

Anjun betrachtete das Bambusholz von allen Seiten und fuhr mit den Fingern seine charakteristischen Wachstumsknoten ab.

„Mach Dir nichts daraus. Doxyhaar als Kern ist zwar exotisch, aber nur Narren versuchen eine direkte Ableitung auf den Charakter des Zauberers zu machen.“ Er lächelte Dominic an. „Es gibt Parallelen, aber sowohl Menschen als auch Zauberstäbe sind so komplex, dass man keine linearen Ableitungen machen sollte. Doxys mögen giftige Schädlinge sein, aber die meisten modernen Zauberer haben vergessen, dass sie auch positive Seiten haben.“

Der Nachtkrabs zögerte kurz, ehe er fort fuhr. „In alter Zeit verwendete man sie als Fokus. Außerdem sind Doxys als Zaubertrankzutat hoch potent. Und das ist keineswegs schwarze Magie, wie ihr modernen Zauberer so gerne behauptet. Wir sind ach so böse dunkle Zauberer, weil wir noch wissen wie man Doxygift einsetzt.

Interessant ist in der Tat die Kombination mit Bambus.“ Der junge Baccaracus sah Dominic über den Zauberstab hinweg an. „Seine Haupteigenschaften sind offensichtlich:Biegsamkeit und sehr schwer auszurotten. Unauffällig im Vergleich zu den großen Bäumen, aber nicht so einfach unterzukriegen. Was im ersten Augenblick den größten Widerspruch zum Doxyhaar sein dürfte ist, dass Bambus auch für Reinheit und für Freundschaft steht.“
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Re: Rungholt: Der Strand

Beitrag  Dominic Hohensayn am Di Feb 16, 2010 10:39 pm

"Stets zu Diensten." gab Dominic ironisch zurück, als Anjun auflistete, welche doch recht widersprüchlichen Prädikate man dem Material seines Zauberstabes anheften konnte. "Ich bin ein wandelndes Paradoxon. Vielleicht sollte ich mir eine Tüte über den Kopf ziehen, um noch geheimnisvoller zu wirken." Er sah Anjun dabei zu, wie er den Stab betrachtete. "Aber wozu wird denn Doxygift in Zaubertränken benutzt?"

Dominic hatte die nebenbei fallen gelassene Information aufhorchen lassen. Er kannte zwar so einige Zaubertrankzutaten, aber Doxygift für Zaubertränke zu verwenden, war ihm noch nie in den Sinn gekommen. "Viele Schädlinge kann man gewinnbringend verwenden. Das hat nichts mit schwarzer Magie zu tun. Schwarze Magie ist sowieso stanspunktabhängig. Was wir in Dunkle Künste treiben, hat mit meinem Verständnis schwarzmagischer Praktiken auch nicht viel zu tun."
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